Companion Robot: Thomas Derksen über Chinas Eva.i-Roboter
Ein Companion Robot ist ein humanoider Roboter für soziale Nähe statt für Fabrikarbeit. Eva.i von Robonova aus Shenzhen hat 37 Grad Körpertemperatur und 21 Berührungszonen. Im YouTube-Beitrag besichtigt Thomas Derksen die Figur vor Ort. Die Leitfrage: Wie echt wirkt diese Maschine bereits heute?
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Erst die App, dann der Companion Robot
Robonova baut nicht zuerst die Maschine. Das Unternehmen baut zuerst eine Plattform. Nutzer folgen dort digitalen Figuren und schreiben mit ihnen. Eva.i ist dabei nur der Hauptcharakter. Daneben liegen weitere Figuren mit eigener Geschichte und eigenem Lebenslauf.
Das dreht die übliche Reihenfolge um. Tesla, Figure oder Unitree bauen zuerst den Körper, der laufen und greifen soll. Robonova lässt den Charakter auf dem Handy entstehen. Der physische Körper kommt danach. Wer Eva.i bestellt, erwirbt nach dieser Logik keine Hardware mit Sprachmodell, sondern eine bekannte Figur.
Ob daraus echte Bindung entsteht, bleibt offen. Bemerkenswert ist die Abfolge selbst. Erst die digitale Beziehung, dann der Körper. Beobachter der Branche sehen darin einen Ansatz aus Spiel und Unterhaltung, nicht aus der Industrierobotik.
37 Grad und 21 Berührungszonen: die Technik dahinter
Zwei Zahlen wirken unscheinbar und sind es nicht. 37 Grad Körpertemperatur und 21 Berührungszonen. Ein Begleiter muss unterscheiden, ob jemand seine Hand hält oder ihn antippt. Er darf dabei weder hart noch heiß reagieren.
Unter der Silikonhülle sitzen Motoren, Akkus, Kabel, Sensoren und Rechner. Alle erzeugen Wärme. Gleichzeitig muss die Oberfläche kontrolliert auf Körpertemperatur kommen. Jede Berührung braucht lokale Sicherheitslogik, die Kräfte begrenzt. Auf eine Cloud-Antwort kann kein System warten, wenn eine Hand ausweichen soll.
Forschungslabore arbeiten längst an elektronischer Haut. Sie erfasst Druck, Temperatur, Dehnung und Nähe zugleich. Der ganze Körper bleibt aber die harte Aufgabe. Die Sensorik von Eva.i sitzt deshalb nur an ausgewählten Stellen: Wange, Hand, Rücken und Brust. Kameras sitzen nicht im Kopf, sondern in Brille und Hals.
Preis: 6.800 Dollar sitzend, über 100.000 Dollar laufend
Der Einstieg lag im Kickstarter bei rund 6.800 US-Dollar. Der Schnitt pro Unterstützer lag bei etwa 9.800 US-Dollar. Diese Zahl zeigt genau, was die erste Generation weglässt.
Robonova nennt selbst die Alternative: Mit freiem Gehen und reicher Mimik springt der Preis über 100.000 US-Dollar. Zweibeiniges Gehen bedeutet Balance in jeder Sekunde. Dazu kommen starke Antriebe und Sturzsicherheit. Das Akkupaket wächst, die Gelenke müssen trotzdem sicher bleiben.
Verkauft wird also keine Haushaltshilfe. Verkauft wird eine sitzende Figur. Ihr Wert liegt in Stimme, Erinnerung, Gesicht, Händen und Berührung. Die Kampagne sammelte rund 1,2 Millionen Hongkong-Dollar von etwa 130 Unterstützern. Damit erreichte sie rund 158 Prozent des Finanzierungsziels. Trendforce schätzt den Weltmarkt für humanoide Companion Robots bis 2030 auf 1,1 Milliarden Dollar.
Use Cases für Unternehmen im DACH-Raum
Der Schwerpunkt liegt klar im Verbrauchermarkt. Robonova nennt im Gespräch aber auch B2B-Felder. Genannt werden IP- und Spieleunternehmen, Hotels, Retail, Schaufenster, Showrooms und Entertainment. Dort ergibt die Figur mehr Sinn als in einer Fabrikhalle.
Ein Spielestudio kann denselben Charakter physisch in den Store stellen. Kunden kennen die Figur bereits aus App oder Spiel. Hotels prüfen den Einsatz am Empfang, wenn kein Personal verfügbar ist. Dazu kommt die Altenpflege in Märkten mit akutem Personalmangel.
Für europäische Unternehmen ist das eher ein Marketing- als ein Produktionsthema. Der Nutzen liegt in Aufmerksamkeit und Markenbindung. Die industrielle Seite dieser Entwicklung dokumentiert die Analyse zu humanoiden Robotern aus China. Ein Beispiel für den harten Wettbewerb dort liefert der Bericht über UBTech.
Warum China diesen Companion Robot exportiert
Eine Aussage aus dem Besuch überrascht: In China verkauft sich dieses Produkt schwerer. Viele Menschen dort finden solche Figuren unheimlich. Dazu kommt die Regulierung.
KI-Dienste dürfen dort keine dauerhaften menschlich-emotionalen Beziehungen simulieren. Nutzer müssen jederzeit erkennen, dass eine Maschine antwortet. Emotionale Abhängigkeit als Geschäftsmodell ist untersagt. Virtuelle intime Beziehungen für Minderjährige sind verboten, die Gesprächsdaten sind zu schützen.
Das trifft den Kern des Produkts. Eva.i soll sich erinnern, warm wirken und eine Geschichte haben. In der Altenpflege bleiben solche Roboter ausdrücklich erwünscht. Eine Maschine, die Menschen durch künstliche Nähe von Familie und Freunden wegzieht, ist es nicht. Genau deshalb richtet sich Robonova so stark auf den Export nach Europa und Nordamerika.
Fazit: Was der Companion Robot wirklich zeigt
Eva.i ist ein Prototyp der ersten Generation. Die Firma arbeitet seit rund einem Jahr daran. Beim Anfassen bleibt Silikon spürbar, auf einem Foto wäre der Unterschied schwer zu erkennen. Der Sprung in fünf Jahren dürfte deutlich ausfallen.
Interessanter als die Haut ist das Geschäftsmodell. Ein Companion Robot als Markenfigur, die erst digital lebt und dann physisch im Store steht. Für Unternehmen im DACH-Raum liegt darin das eigentliche Signal: Humanoide kommen nicht nur über die Fabrik. Sie kommen über Empfang, Schaufenster und Marke.
Häufige Fragen
Was ist ein Companion Robot?
Ein Companion Robot ist ein humanoider Roboter für soziale Interaktion. Er arbeitet nicht in der Fabrik, sondern spricht, erinnert sich und reagiert auf Berührung. Eva.i von Robonova zeigt das Prinzip: 37 Grad Körpertemperatur, 21 Berührungszonen, Gesichts- und Stimmerkennung. Der Wert liegt in Stimme, Gedächtnis, Gesicht und Händen, nicht in Mobilität. Beobachter ordnen die Kategorie zwischen Spielzeug, Pflegehilfe und Markenfigur ein.
Was kostet der Companion Robot Eva.i?
Im Kickstarter startete Eva.i bei rund 6.800 US-Dollar als Super Early Bird. Der durchschnittliche Beitrag pro Unterstützer lag bei etwa 9.800 US-Dollar. Robonova hält den Preis niedrig, weil die erste Generation sitzt statt läuft. Sobald freies Gehen und reiche Mimik dazukommen, nennt das Unternehmen über 100.000 US-Dollar. Der Aufpreis erklärt sich durch Antriebe, Balance, Sturzsicherheit und ein größeres Akkupaket.
Wie funktioniert die App von Robonova?
Robonova baut zuerst eine Plattform, dann die Hardware. Nutzer folgen den Figuren in einer App und schreiben mit ihnen. Jede Figur hat eine eigene Geschichte, einen Lebenslauf und vergangene Beziehungen. Erst danach lässt sich dieselbe Figur als physischer Roboter bestellen. Diese Reihenfolge unterscheidet Robonova von Tesla, Figure oder Unitree, die zuerst die Maschine bauen.
Warum verkauft Robonova vor allem im Westen?
Nach Angaben des Unternehmens sind chinesische Käufer für diese Produktklasse zurückhaltend. Dazu kommt eine Regulierung: KI-Dienste dürfen dort keine dauerhaften emotionalen Beziehungen simulieren. Nutzer müssen jederzeit erkennen, dass sie mit einer Maschine sprechen. Emotionale Abhängigkeit als Geschäftsmodell ist untersagt, virtuelle intime Beziehungen für Minderjährige ebenso. In der Altenpflege bleiben solche Roboter dagegen ausdrücklich erwünscht.
Welche B2B-Anwendungen gibt es für Companion Robots?
Robonova nennt Spiele- und IP-Unternehmen, Hotels, Retail, Schaufenster, Showrooms und Entertainment. Ein Spielestudio kann eine bekannte Figur physisch in den Store stellen. Hotels setzen die Figur an den Empfang, wenn kein Personal verfügbar ist. Dazu kommt die Altenpflege in Märkten mit Personalmangel. Beobachter sehen den Nutzen in Aufmerksamkeit und Markenbindung, weniger in Prozessautomatisierung.









