Batteriegroßspeicher: David Oudsandji über Chinas Vorsprung

Batteriegroßspeicher: David Oudsandji von Voltfang über 574 GW Netzanfragen, Chinas Vorsprung und das Ziel, das Kraftwerk Weisweiler bis 2030 zu ersetzen.

Batteriegroßspeicher: David Oudsandji über Chinas Vorsprung

Batteriegroßspeicher sind stationäre Akku-Anlagen, die Strom aus Wind und Solar puffern und Preisspitzen im Netz glätten. David Oudsandji ist CEO und Mitgründer von Voltfang. Im YouTube-Interview erklärt er, wie das Start-up bis 2030 das Kohle-Kraftwerk Weisweiler ersetzen will. Ein zentrales Thema dabei: die Abhängigkeit Europas von China.

Das Gespräch berührt auch die Debatte um KI-Rechenzentren. Deren Ausbau hängt direkt an günstigem, verfügbarem Strom.

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Batteriespeicher-Boom: 574 Gigawatt angefragt, 3,6 am Netz

Die Bundesnetzagentur hat Ende August neue Zahlen veröffentlicht. Angefragt sind 574 Gigawatt Netz-Anschluss für Batteriespeicher. Tatsächlich am Netz hängen 3,6 Gigawatt. Oudsandji vergleicht die Lage mit dem Hype rund um KI.

Der Speichermarkt gilt als lukrativ, entsprechend viele Glücksritter drängen hinein. Über 90 Prozent der Anfragen hält der Gründer für substanzlos. Oft fehlen Konzept oder Finanzierung. Die Netz-Betreiber wechseln deshalb vom Windhund-Prinzip zur Reifegrad-Prüfung.

Oudsandji begrüßt den Schritt. Ein Großspeicher verlangt ein größeres Team, solides Kapital und Wissen über das Netzverhalten. Kleinstfirmen dürften künftig seltener zum Zug kommen.

Warum Batteriegroßspeicher den Strompreis senken

Deutschland erzeugt viel Wind- und Solarstrom, die günstigste Erzeugungsform. Das Netz nimmt diese Mengen aber noch nicht vollständig auf. Bei viel Wind und geringer Nachfrage fallen die Preise auf null oder ins Minus.

Flaut der Wind ab, springen teure Gas-Kraftwerke ein. Nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt das teuerste Kraftwerk den Preis für alle. Daraus entstehen große Preissprünge, die Speicher abfedern.

Oudsandji nennt konkrete Werte. Flexibler Strom aus Großspeichern mit Photovoltaik kostet 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde. Gas als Spitzenlast liegt bei 40 bis 50 Cent. Ein ähnliches Spannungsfeld zwischen Energie und Klimarisiken prägt die gesamte Branche.

Vom Camper zum virtuellen Kraftwerk

Die Gründungsgeschichte beginnt in einem alten Fiat-Ducato-Camper. Dessen Batterie war so alt wie das Fahrzeug selbst. Mitgründer Roman Alberti baute zuerst eine Solaranlage aufs Dach. Danach plante das Team den Einbau gebrauchter Tesla-Module von eBay Kleinanzeigen.

Für den schwach motorisierten Camper waren die Module zu schwer. Sie landeten stattdessen in der Werkstatt von Albertis Vater, gekoppelt mit Solar und Steuerung. So entstand der erste Voltfang-Speicher, noch während des Studiums.

Das heutige Ziel ist ambitioniert. Bis 2030 soll ein virtuelles Kraftwerk aus vielen Speichern die 1,6 Gigawatt von Weisweiler ersetzen. Das Kraftwerk geht 2030 vom Netz. Oudsandji räumt ein: Speicher erzeugen keinen Strom, sie verschieben ihn nur.

Abhängig von China: Was Voltfang im April geändert hat

Lange setzte Voltfang auf Second-Life-Module aus alten E-Autos. Das Wachstum überholte jedoch das Angebot. Seit April verlagert das Unternehmen den Fokus weg von der eigenen Batterie-Produktion. Neue Module stammen nun auch aus China.

Architektur, Software und europäische Wechsel-Richter bleiben in eigener Hand. Oudsandji hatte 2024 öffentlich vor der chinesischen Dominanz gewarnt. Über 90 Prozent der Rohstoff-Wertschöpfung liegen dort. Ein einzelnes Unternehmen kann das nach seiner Einschätzung nicht ändern.

Laut Studien braucht Deutschland 100 bis 150 Gigawattstunden Speicher bis 2040 oder 2050. Das Scheitern von Northvolt zeigt die Hürden einer eigenen Lieferkette. Die Parallele zum globalen Chip-Krieg liegt nahe. Peking subventioniert Speicher massiv, wie zuvor Solar und Wind. Hoffnung setzt Oudsandji auf Natrium-Batterien.

Machine Learning im Energie-Management

KI bezeichnet Oudsandji als starkes Buzzword. Voltfang nutzt Machine Learning schon länger. Das Energie-Management kombiniert Wetterprognosen, Strommarkt-Prognosen und den erwarteten Verbrauch der Kunden.

Daraus leitet das System die jeweils beste Strategie ab. Bei günstigem Netzstrom lädt der Speicher. Droht eine teure Lastspitze, kappt er sie.

KI-Rechenzentren: 80 Prozent aus Wind, Solar und Speicher

Die Anschlussleistung deutscher Rechen-Zentren soll sich bis 2030 vervierfachen. Oudsandji hält 80 Prozent Versorgung aus Wind, Solar und Speicher für machbar. Der Strompreis läge dann bei 6 bis 10 Cent. Die restlichen 20 Prozent kämen aus dem Netz, volle Redundanz wäre unwirtschaftlich.

Die Hürden heißen Komplexität und Kapital. Für einen Hyperscaler kosten Windpark, Solar und Speicher schnell mehrere Milliarden. Versicherer und große Investoren suchen solche langfristigen PPA-Verträge. Im August startete Voltfang zudem ein erstes Colocation-Projekt mit Alterric direkt am Windpark.

Fazit: Batteriegroßspeicher und Europas Energiefrage

Batteriegroßspeicher senken Strompreise und machen Wind und Solar planbarer. Voltfang zeigt, wie aus einem Camper-Experiment ein ernsthafter Netzakteur wird. Kritisch bewertet Oudsandji die neuen Gas-Kraftwerke. Bis Deutschland Turbinen erhält, bedienen die Hersteller nach seiner Erwartung zuerst Amazon, Google und Tesla.

Ob das Weisweiler-Ziel bis 2030 erreichbar ist, hängt am Ausbau von Wind und Solar in ganz Europa.

Häufige Fragen

Was macht das Start-up Voltfang?

Voltfang baut Batteriespeicher für Gewerbe, Logistik und produzierende Betriebe. Hinzu kommen Solar, Ladesäulen und ein eigenes Energie-Management-System, das alle Komponenten steuert. Das erklärte Ziel ist ein stabil niedriger Strompreis pro Kilowattstunde beim Kunden. Die Firma entstand aus einem Camper-Projekt mit gebrauchten Tesla-Modulen. Inzwischen verbaut Voltfang auch neue Module, überwiegend aus China, kombiniert mit eigener Software und europäischen Wechsel-Richtern.

Kann ein Batteriespeicher ein Kohlekraftwerk ersetzen?

Teilweise. Voltfang will bis 2030 die Leistung des Kraftwerks Weisweiler ersetzen, rund 1,6 Gigawatt. Viele Speicher sollen dafür als virtuelles Kraftwerk zusammenarbeiten. CEO David Oudsandji räumt ein, dass Speicher keinen Strom erzeugen. Sie verschieben Energie aus Wind und Solar zeitlich. Ohne ausreichende erneuerbare Erzeugung trägt das Konzept nicht. Das Ziel bezieht der Gründer daher auf Europa, nicht allein auf Deutschland.

Warum gibt es so viele Netzanfragen für Batteriespeicher?

Laut Bundesnetzagentur waren Ende August 574 Gigawatt Netz-Anschluss für Speicher angefragt. Am Netz hängen erst 3,6 Gigawatt. David Oudsandji führt die Lücke auf viele Glücksritter im lukrativen Speichermarkt zurück. Über 90 Prozent der Anfragen fehle ein tragfähiges Konzept oder die Finanzierung. Die Netz-Betreiber wechseln deshalb vom Windhund-Prinzip zur Reifegrad-Prüfung. Erfahrene Projektierer sollen so Vorrang erhalten.

Wie günstig ist Strom aus Batteriespeichern im Vergleich zu Gas?

David Oudsandji beziffert flexiblen Strom aus Großspeichern mit Photovoltaik auf 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde. Strom aus Gas-Kraftwerken für die Spitzenlast kostet demnach 40 bis 50 Cent. Hintergrund ist das Merit-Order-Prinzip: Das teuerste Kraftwerk setzt den Preis. Speicher glätten diese Preisspitzen. Da die Speicherkosten zuletzt stark gefallen sind, wächst der Abstand weiter.

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