Chip-Krieg: Wolfgang Hirn über Chinas Huawei-Coup

Chip-Krieg zwischen USA und China: Wolfgang Hirn analysiert Huaweis Tau-Technologie, das Ende von Moores Gesetz und warum Europa abgehängt wird.

Chip-Krieg: Wolfgang Hirn über Chinas Huawei-Coup

Der Chip-Krieg ist der geostrategische Machtkampf zwischen USA und China um die Kontrolle der Halbleiter-Lieferketten. Im YouTube-Interview ordnet China-Experte Wolfgang Hirn ein, warum Huaweis neue Tau-Technologie Moores Gesetz aushebelt. Beobachter sehen darin eine Verschiebung der globalen Machtbalance.

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Huaweis Tau-Technologie und das Ende von Moores Gesetz

In Shanghai trat letzte Woche eine leitende Huawei-Chipforscherin auf. Sie erklärte Moores Gesetz für tot. Branchenkenner werteten den Auftritt als Weckruf. Statt Transistoren weiter zu verkleinern, setzt Huawei auf ein neues Verfahren. Es heißt Tau, nach dem griechischen Buchstaben.

Heutige Spitzenchips liegen bei 2 Nanometer und darunter. Huawei verspricht bis 2031 eine Dichte von 1,4 Nanometer Äquivalenz. Wolfgang Hirn deutet den öffentlichen Auftritt klar. Wer so etwas verkündet, ist meist schon sehr weit. Die Redaktion ordnet das als Signal echter Stärke ein.

Strategisch wiegt die Folge schwer. Der Chip-Krieg verschiebt die Machtbalance zwischen den Großmächten. Bricht Huaweis Plan auf, verlieren die USA ihren größten Hebel. Bisher konnten sie China von hochwertigen Halbleitern abschneiden. Genau dieser Trumpf wackelt nun.

Warum der US-Chip-Krieg gegen China nach hinten losgeht

Die USA behinderten Huawei jahrelang. Huawei-Handys verschwanden aus dem US-Markt. Hochwertige Chips durfte das Unternehmen nicht mehr kaufen. Das Ziel war klar. Washington wollte Huawei klein halten. Das Gegenteil trat ein.

Huawei reagierte mit noch mehr Forschung und Investitionen. Rund die Hälfte der über 200.000 Beschäftigten arbeitet in Forschung und Entwicklung. Gründer Ren Zhengfei plante diesen Konflikt schon vor 16 Jahren. Er ahnte früh, dass die USA die Zulieferung aus Taiwan kappen könnten. Diese langfristige Denkweise zeigt heute ihr Ergebnis.

Hirn nennt die US-Strategie kontraproduktiv. Restriktionen zwangen China, schneller und innovativer zu werden. Studien zeigen ein Muster. Die meisten Handelsbeschränkungen wirken kaum. Ein ähnliches Spannungsfeld dokumentiert die Redaktion in der Analyse zu den Thesen von Jörg Wuttke.

TSMC und ASML: wer die Macht im Chip-Krieg hält

Das wichtigste Chipunternehmen sitzt in Taiwan. TSMC beschäftigt allein in Taipeh rund 40.000 Menschen. Gründer Morris Chang baute aus einem Billiglohnland eine Hightech-Nation. K.T. Li gilt als Vater dieses Wirtschaftswunders, vergleichbar mit Ludwig Erhard. Viele Ingenieure studierten in den USA und kehrten zurück.

Auch Europa spielt eine Schlüsselrolle. ASML aus den Niederlanden ist das wertvollste Unternehmen des Kontinents. Niemand baut bessere Maschinen für die Chipproduktion. In Belgien forscht das Institut imec an der Universität Löwen mit rund 5.000 Mitarbeitern. Beide gelten als unverzichtbar für die globale Chipindustrie.

Trotzdem entscheiden die USA mit. Washington setzte die Niederlande unter Druck. ASML darf seine Spitzenmaschinen nicht mehr nach China liefern. Hirn beschreibt den langen Arm der amerikanischen Politik. Geheimdienst-Kooperation und NATO-Bindung dienen dabei als Hebel.

Seltene Erden: Chinas Trumpf gegen die Chip-Sperre

China kontert die Chip-Sperre mit Rohstoffen. Gallium und Germanium sind für die Chipproduktion essenziell. Bei Gallium liefert China 86 Prozent der Weltproduktion. Viele seltene Erden stammen gar nicht aus China selbst. Doch China besitzt die entscheidende Verarbeitungskapazität.

Schon Deng Xiaoping erkannte den Wert dieser Rohstoffe. Der Nahe Osten hat Öl, China hat seltene Erden. Dieses Knowhow ging dem Westen verloren. Europa deckt heute nur 10 Prozent des eigenen Bedarfs. Die Abhängigkeit von China liegt damit bei 90 Prozent.

Das gilt vielen Beobachtern als konkretes Risiko. Ein chinesischer Exportstopp träfe die Halbleiter-Wertschöpfung sofort. Experten rechnen mit Jahrzehnten, bis Europa unabhängiger wird. Recycling und neue Minen helfen nur langsam. Bis dahin bleibt Kooperation mit China unumgänglich.

Warum Europa im Chip-Krieg abgehängt wird

Europa hat die Erkenntnisse, aber nicht die Umsetzung. Schon 2013 plante die EU-Kommission ein Chip-Projekt nach dem Airbus-Modell. ASML, imec und weitere Partner sollten zusammenkommen. Der Plan verlief im Nirvana. Heute stünde Europa damit deutlich besser da.

Hirn nennt einen kulturellen Unterschied. Der Westen wird von Juristen regiert, China von Ingenieuren. Im chinesischen Politbüro sitzt ein Drittel Ingenieure. Das prägt die Technologiepolitik direkt. Strategisches Langfrist-Denken fällt Demokratien im Vier-Jahres-Takt schwerer.

Auch Mario Draghi hat das benannt. Sein Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit liegt seit zwei Jahren vor. Passiert ist wenig. Europa hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Das gleiche Muster zeigt die Redaktion in der Reportage zur drohenden Deindustrialisierung.

Fazit: Was der Chip-Krieg für Europa bedeutet

Der Chip-Krieg entscheidet über KI, Robotik und Industrie. Huawei zeigt, wie langfristige Forschung Sanktionen aushebelt. China baut leise und verkündet erst beim Erfolg. Westliche Firmen verkünden oft zuerst und bauen danach. Genau diese Geduld fehlt Europa.

Wolfgang Hirn zieht eine nüchterne Bilanz. Er sieht den Wettkampf vor allem zwischen China und den USA. Europa droht dazwischen abgehängt zu werden. Beobachter mahnen schnelleres Handeln in Politik und Wirtschaft an. Der Chip-Krieg bleibt damit das prägende Thema des kommenden Jahrzehnts.

Häufige Fragen

Was ist Huaweis Tau-Technologie?

Tau ist Huaweis neues Verfahren für die Chipproduktion. Statt Transistoren immer weiter zu verkleinern, geht das Unternehmen einen anderen technologischen Weg. Benannt ist es nach dem griechischen Buchstaben Tau. Bis 2031 will Huawei damit eine Dichte von 1,4 Nanometer Äquivalenz erreichen. China-Experte Wolfgang Hirn wertet die öffentliche Ankündigung als Zeichen echter Reife. Wer so etwas verkünde, sei meist schon sehr weit in der Entwicklung.

Warum hat der US-Chip-Krieg gegen China nicht funktioniert?

Die USA wollten Huawei durch Chip-Sanktionen klein halten. Stattdessen investierte Huawei noch stärker in eigene Forschung. Rund die Hälfte der über 200.000 Mitarbeiter arbeitet in Forschung und Entwicklung. Gründer Ren Zhengfei plante diesen Konflikt bereits 16 Jahre im Voraus. Wolfgang Hirn nennt die US-Strategie deshalb kontraproduktiv. Studien zeigen, dass die meisten Handelsrestriktionen den Wettbewerb eher beschleunigen als bremsen.

Warum ist Europa in der Chipindustrie von China abhängig?

Europa deckt nur rund 10 Prozent seines Bedarfs an seltenen Erden selbst. Damit liegt die Abhängigkeit von China bei etwa 90 Prozent. China kontrolliert vor allem die Verarbeitungskapazität, nicht nur den Abbau. Bei Gallium kommen 86 Prozent der Weltproduktion aus China. Ein Plan für eine europäische Chipproduktion nach dem Airbus-Modell scheiterte 2013. Experten rechnen mit Jahrzehnten, bis Europa unabhängiger wird.

Wann kommen Huaweis neue Chips?

Huawei hat neue Chips für den Herbst angekündigt. Diese sollen einen ersten spürbaren Schritt bringen. Das große strategische Ziel liegt im Jahr 2031. Bis dahin will Huawei eine Dichte von 1,4 Nanometer Äquivalenz erreichen. Damit wäre das Unternehmen auf einem Niveau, das auch TSMC anstrebt. Wolfgang Hirn hält diesen Zeitplan für realistisch. Huawei geht traditionell erst nach dem Erfolg an die Öffentlichkeit.

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