KI-Energieproblem: Prof. Fichtner über Kernkraft-Mythos
Das KI-Energieproblem beschreibt die Kluft zwischen dem Stromhunger der KI-Rechenzentren und einer planbaren Versorgung. Im YouTube-Interview ordnet Prof. Dr. Maximilian Fichtner diese Frage ein. Er zählt zu den weltweit am häufigsten zitierten Batterieforschern. Er leitet das Helmholtz-Institut Ulm mit über 135 Wissenschaftlern.
Die Debatte berührt Industrie, Politik und Verbraucher gleichermaßen. Diese Analyse ordnet die zentralen Fakten ein.
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Warum KI-Rechenzentren den Strombedarf sprengen
Die Zahlen sind drastisch. Das Rechenzentrum Colossus in Memphis baut gerade auf 2 Gigawatt aus. Das entspricht der Leistung von rund 20 Städten wie Ulm. Wie das Cluster KI-Lasten skaliert, dokumentiert die Analyse zum Anthropic-Colossus-Deal.
Das Projekt Stargate von OpenAI, Oracle und Softbank ist auf 10 Gigawatt committed. Das sind 100 Städte wie Ulm, nur für KI. Die Internationale Energieagentur erwartet bis 2030 knapp 945 Terawattstunden allein durch Rechenzentren.
Microsoft reaktiviert deshalb Three Mile Island. Google verhandelt über kleine Atomreaktoren. Die zentrale Frage bleibt: Woher kommt dieser Strom?
Solar plus Speicher: die billigste neue Energiequelle
Fichtner ist eindeutig. Solar plus Speicher schlägt heute Strom aus neuen Gaskraftwerken. China installierte in einem Jahr fast 370 Gigawatt neue Solarleistung. Weltweit waren es über 600 Gigawatt. Welche Rolle der Solarausbau in Chinas KI-Strategie spielt, zeigt dieser Zubau.
Der Einwand, Solar bringe nichts ohne Speicher, ist überholt. Der weltgrößte Batteriespeicher entsteht in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er fasst 19 Gigawattstunden und lädt mit Sonnenstrom.
Speicher nahe der Erzeugung entlasten die Netze. Sie kappen Lastspitzen und senken die Netzentgelte. Betreiber zahlen sie privat, ganz ohne Subventionen. Beobachter werten das als seltene Win-win-Lage für die Energiewende.
Der Kernkraft-Mythos bei KI-Rechenzentren
Betreiber großer Rechenzentren planen laut Fichtner lieber mit Erneuerbaren. Ein Wetterbericht über zwei Tage ist planbarer als ein Großkraftwerk. Fällt ein Reaktor aus, reißt das ein riesiges Loch ins Netz.
Die Ökonomie spricht klar gegen neue Meiler. Der britische Reaktor Hinkley Point C kostet rund 54 Milliarden Pfund. Die Kosten steigen Richtung 65 Milliarden. Der französische Neubau in Flamanville liefert Strom zum doppelten Marktpreis.
Small Modular Reactors existieren bisher nur auf PowerPoint. Real laufen zwei Anlagen, beide militärisch. Ein Skaleneffekt greift erst ab 1000 bis 5000 Stück. Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke trugen nur 6 Prozent zum Strommix bei.
Merit-Order: warum der Atomausstieg nicht schuld ist
Der Strompreis hängt am Gaspreis, nicht am Atomausstieg. Das regelt das Merit-Order-Prinzip in der EU. Das teuerste noch nötige Kraftwerk bestimmt den Preis für alle.
Über die Abschalt-Daten der Reaktoren gelegt, zeigt die Strompreis-Kurve keinen Ausschlag. Erst der Wegfall von Nord Stream trieb die Preise nach oben. Hohe Strompreise sind also ein Gasproblem.
Wasserstoff-Mythos und Rohstoff-Realität
Fichtner forschte zwei Jahrzehnte an Wasserstoff. Sein Urteil ist nüchtern. Grauer Wasserstoff stammt aus Erdgas. Sein Fußabdruck gleicht dem eines Diesels.
Der Preis kippt die Rechnung. Wasserstoff kostet aktuell 16 bis 18 Euro je Kilo. Konkurrenzfähig wäre er bei 4 bis 5 Euro. Elektrolyseure bräuchten täglich 12 Stunden Überschussstrom. Diesen Überschuss gibt es nicht.
Dahinter steht ein Rohstoffproblem. Die IEA erwartet das Ölfördermaximum um 2030. Der Energieertrag pro eingesetzter Energie fiel von 100 auf heute 6 bis 7. Der Druck zur Umstellung wächst.
Fazit: das KI-Energieproblem ist lösbar
Das KI-Energieproblem hat eine ökonomische Antwort. Solar plus Speicher schlägt neue Kernkraft bei Preis und Tempo. Deutschland fehlt laut Fichtner vor allem Kontinuität. Beobachter sehen darin die größere Baustelle als die Technik.
Häufige Fragen
Warum brauchen KI-Rechenzentren so viel Strom?
KI-Training und -Betrieb laufen auf riesigen GPU-Clustern. Das Rechenzentrum Colossus baut auf 2 Gigawatt aus, das Projekt Stargate sogar auf 10 Gigawatt. Die Internationale Energieagentur erwartet bis 2030 rund 945 Terawattstunden allein durch Rechenzentren. Dieser Bedarf entspricht der Leistung von Dutzenden Städten. Branchenkenner sehen darin den entscheidenden Engpass der KI-Ära.
Ist Kernkraft die Lösung für den KI-Strombedarf?
Prof. Dr. Maximilian Fichtner ordnet Kernkraft ökonomisch hinten ein. Neue Reaktoren wie Hinkley Point C kosten über 54 Milliarden Pfund und liefern Strom zum doppelten Marktpreis. Small Modular Reactors existieren real nur als militärische Einzelstücke. Betreiber großer Rechenzentren planen laut Fichtner lieber mit Erneuerbaren. Ein Zwei-Tage-Wetterbericht gilt als planbarer als ein Großkraftwerk.
Lässt sich Solarstrom überhaupt speichern?
Ja, und das längst bezahlbar. Der weltgrößte Batteriespeicher in den Vereinigten Arabischen Emiraten fasst 19 Gigawattstunden und lädt mit Sonnenstrom. Speicher nahe der Erzeugung kappen Lastspitzen und entlasten die Netze. Batterien sind zudem schwarzstartfähig und stabilisieren das Netz nach einem Blackout. Der Einwand, Solarstrom lasse sich nicht speichern, gilt als technisch überholt.
Warum ist der Atomausstieg nicht schuld an hohen Strompreisen?
Der Strompreis entsteht über das Merit-Order-Prinzip. Das teuerste noch nötige Kraftwerk bestimmt den Preis, meist ein Gaskraftwerk. Über die Abschalt-Daten der Reaktoren gelegt, zeigt die Strompreis-Kurve keinen Ausschlag. Erst der Wegfall von Nord Stream trieb die Preise hoch. Beobachter werten hohe Strompreise daher als Gasproblem, nicht als Folge des Atomausstiegs.
Warum hat sich Wasserstoff im Auto nicht durchgesetzt?
Die Batterie überholte den Wasserstoff bei Preis, Verfügbarkeit und Infrastruktur. Grauer Wasserstoff aus Erdgas hat einen Fußabdruck wie ein Diesel. Er kostet aktuell 16 bis 18 Euro je Kilo, konkurrenzfähig wäre er bei 4 bis 5 Euro. Elektrolyseure bräuchten täglich 12 Stunden Überschussstrom. Im PKW bleibt die direkte Elektrifizierung deutlich effizienter.









