Warum ein Handelschef das Grundeinkommen verteidigt
Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Sozialmodell, das jedem Menschen ein festes Einkommen ohne Bedingungen zahlt. Im YouTube-Interview erklärt dm-Chef Christoph Werner, wie künstliche Intelligenz die Debatte um Arbeit und Wohlstand verschiebt.
Werner führt dm-drogerie markt mit fast 100.000 Mitarbeitern. Er argumentiert aus der Praxis, nicht aus der Theorie. Beobachter ordnen seine These als optimistisch ein. KI schaffe mehr neue Aufgaben, als sie alte vernichte.
Die Redaktion fasst die zentralen Aussagen zusammen. Der Text zeigt, welche KI-Projekte bei dm laufen. Und er erklärt, wie Werner ein Grundeinkommen finanzieren würde.
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KI bei dm: 130 Roboter und ein eigenes GPT
dm setzt KI seit Juli 2023 produktiv ein. Damals startete das Unternehmen dmGPT für die Belegschaft. Heute rollen 130 Roboter durch die Filialen. Sie scannen die Regale und melden Lücken früh.
Die IT-Tochter dmTECH treibt die Experimente voran. Werner spricht von Agentenfabriken in der Softwareentwicklung. Programme entstehen dort schneller und günstiger als mit Standardsoftware.
Der größte Hebel liegt in den Daten. dm betreibt 2.171 Märkte in Deutschland mit rund 15.000 Artikeln. KI findet in dieser Datenmenge Korrelationen, die klassische Statistik übersieht. So landen die richtigen Produkte im richtigen Regal.
Vom Job zum Ziel: Der wichtigste Mindset-Shift
Werner nennt einen englischen Leitsatz: from org chart to work chart. Nicht das Organigramm zählt, sondern die Arbeit selbst. Menschen sollen sich nicht über ihren Jobtitel definieren.
Die größte Sorge der Beschäftigten ist der Verlust des Arbeitsplatzes. Werner setzt dagegen ein klares Zielbild. Wer ein Ziel hat, erlebt Veränderung als Chance. Wer keins hat, erlebt sie als Bedrohung.
Für Führungskräfte folgt daraus eine Pflicht. Sie müssen KI selbst verstehen. Nur so führen sie ihre Teams durch den Wandel. Ein ähnliches Muster zeigt die Analyse zur Post-Labor Economy.
Sam Altmans Gegenfrage an alle Unternehmer
Werner erzählt von einer Frage an Sam Altman. Ob KI die Zahl der Mitarbeiter halbieren werde. Altmans Gegenfrage drehte die Perspektive komplett um.
Er fragte lieber, ob er die Belegschaft verdoppeln könne. Und damit den Output des Unternehmens vervielfachen. Werner beschreibt zwei Denkweisen. Kostenoptimierer bauen ab, Unternehmer wachsen.
Als Beleg dient die Elektrizität. Fabriken ersetzten die Dampfmaschine erst durch einen großen Elektromotor. Der echte Sprung kam mit vielen kleinen Motoren. Erst neue Prozesse hoben die Effizienz.
Grundeinkommen ohne Anrechnungsfalle finanzieren
Werner grenzt das Grundeinkommen klar vom Bürgergeld ab. Der Kern ist die fehlende Anrechnung. Wer dazuverdient, behält sein Grundeinkommen komplett.
Zur Finanzierung schlägt Werner einen Umbau des Steuersystems vor. Statt Arbeit soll der Konsum die Hauptlast tragen. Die Mehrwertsteuer läge dann höher als die heutigen 19 Prozent.
Ein steuerfreier Grundkonsum schützt Menschen mit kleinem Einkommen. Das Finanzamt erstattet die Steuer auf diesen Betrag monatlich zurück. Diese negative Einkommensteuer wäre das Grundeinkommen. Werner zitiert seinen Vater Götz Werner: Wer will, findet Wege.
Deutschland gegen USA: Risiko oder Chance
Werner kritisiert den risikobasierten Ansatz in Europa. Regeln entstehen, bevor eine Technologie erprobt ist. Die USA gehen chancenorientiert vor und regulieren erst später.
Sein Appell an die Politik ist deutlich. Zukunftsbilder entwickeln, weniger kleinteilig regulieren, Gesetze mit einer Sunset-Klausel befristen. Zusätzlich fordert er die kapitalgedeckte Altersvorsorge nach amerikanischem Vorbild.
Branchenkenner sehen darin einen Standortfaktor. Experimentieren statt abwarten lautet die Devise. Denselben Wandel dokumentiert die Analyse zur schöpferischen Zerstörung.
Fazit: Das Grundeinkommen als Fundament für den KI-Wandel
Das bedingungslose Grundeinkommen ist für Christoph Werner kein Almosen. Es ist ein Fundament, das Menschen angstfrei macht. Genau diese Angstfreiheit braucht der Arbeitsmarkt im KI-Zeitalter.
dm zeigt, wie der Wandel praktisch aussieht. Roboter, dmGPT und Datenanalyse verbessern die Leistung für Kunden. Werner bleibt zuversichtlich. 2050 werde es Menschen in Deutschland geben, denen es gut geht.
Häufige Fragen
Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?
Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein festes Einkommen für jeden Menschen, das ohne Bedingungen gezahlt wird. Christoph Werner betont den Unterschied zum Bürgergeld. Beim Bürgergeld greift die Anrechnungsfalle, denn eigene Einkünfte werden verrechnet. Das Grundeinkommen bleibt dagegen bestehen, auch wenn man dazuverdient. So sollen Menschen angstfreier neue Aufgaben annehmen und ihre Lebenszeit freier gestalten können.
Wie setzt dm künstliche Intelligenz ein?
dm nutzt KI seit Juli 2023 mit dem internen Werkzeug dmGPT. In den Filialen scannen 130 Roboter die Regale und melden fehlende Ware. Die IT-Tochter dmTECH experimentiert mit Agentenfabriken für schnellere Software. Bei 2.171 Märkten und rund 15.000 Artikeln findet KI Korrelationen in den Daten. So verbessert dm die Auswahl, die Preise und die Verfügbarkeit für Kunden.
Ersetzt KI laut Christoph Werner Arbeitsplätze?
Christoph Werner sieht KI vor allem als Chance. Er unterscheidet Kostenoptimierer und Unternehmer. Kostenoptimierer bauen Stellen ab, sobald Aufgaben automatisiert sind. Unternehmer verdoppeln lieber den Output und schaffen neue Tätigkeiten. Werner verweist auf die Wirtschaftsgeschichte. Jeder Effizienzsprung setzte Arbeitskräfte frei und brachte neue Branchen hervor. KI werde verdeckte Talente in Unternehmen sichtbar machen.
Wie soll ein Grundeinkommen finanziert werden?
Werner schlägt einen Umbau des Steuersystems vor. Statt Arbeit soll vor allem der Konsum besteuert werden. Die Mehrwertsteuer läge dann deutlich höher als die heutigen 19 Prozent. Ein steuerfreier Grundkonsum schützt kleine Einkommen. Das Finanzamt zahlt die Steuer auf diesen Betrag monatlich zurück. Diese negative Einkommensteuer wäre das bedingungslose Grundeinkommen.









