Quantencomputer Deutschland: Jan Leisse zu Ionenfallen

Quantencomputer Deutschland: eleQtron-Chef Jan Henrik Leisse über Ionenfallen, die 57-Millionen-Runde der Schwarz Gruppe und Europas Quantenrennen.

eleQtron ist der erste deutsche Quantencomputer-Hersteller und steuert einzelne Ionen mit Mikrowellen statt Lasern. Im YouTube-Interview erklärt CEO und Mitgründer Jan Henrik Leisse die Technik. Das Siegener Unternehmen rückt beim Thema Quantencomputer Deutschland an die europäische Spitze. Angetrieben wird der Ausbau von einer 57-Millionen-Finanzierung der Schwarz Gruppe.

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eleQtron: Ionenfallen als Basis der Maschine

Quantencomputer rechnen mit den Gesetzen der Quantenmechanik. Ein Atom kann zur selben Zeit hier und dort sein. Dieser Zustand heißt Superposition. Anschaulich steht dafür Schrödingers Katze, gleichzeitig lebendig und tot.

Das Startup fängt einzelne Atome in sogenannten Ionenfallen und rechnet mit ihnen. Das Prinzip klingt futuristisch, gilt in der Physik aber seit den 1980er-Jahren als Standard. Der Vorteil liegt in der Natur der Atome. Jedes Qubit ist perfekt identisch, ohne Abweichung zwischen den Recheneinheiten.

Beobachter sehen darin einen Vorteil für spätere Industrieanwendungen. Verlässliche Ergebnisse hängen stark von der physikalischen Präzision ab. Genau hier positioniert sich der Ansatz aus Siegen.

Mikrowellen statt Laser: der Skalierungs-Trick

Die meisten Wettbewerber steuern ihre Ionen mit Lasern. eleQtron setzt stattdessen auf Mikrowellen. Das ist das Alleinstellungsmerkmal des Herstellers.

Der Kniff liegt in den Bauteilen. Die nötige Technik steckt bereits in jedem Smartphone. Das drückt die Kosten und begünstigt die Skalierung größerer Systeme. Branchenkenner sehen darin einen möglichen Vorsprung im Rennen um marktreife Maschinen.

Aktuell arbeitet das Team an makroskopischen Ionenfallen. Die nächste Generation verlagert viele Komponenten auf einen Chip. Die erste Chip-Maschine lief bereits 2018 am Lehrstuhl. So entwickelt sich die Technik in klaren Generationsschritten.

Schwarz Gruppe: 57 Millionen für Siegen

eleQtron sammelte 57 Millionen Euro ein, angeführt von der Schwarz Gruppe. Hinter dem Konzern stehen Lidl und Kaufland. Ein Lebensmittelriese investiert damit in einen Quantencomputer aus Siegen.

Laut Leisse geht es um mehr als Kapital. Er spricht ausdrücklich nicht von Stupid Money, sondern von echter Kompetenz. Schwarz bringe ein großes Netzwerk und viele Anwendungsfälle mit. Der Konzern plant zudem ein Rechenzentrum für 12 bis 13 Milliarden Euro in den neuen Bundesländern.

Der Weg dorthin verlief in Etappen. Erster Lead-Investor war die Sparkasse Siegerland, danach folgte Early Bird. Ohne öffentliches Geld wäre der Start kaum denkbar gewesen. Seit 2017 fördert der Staat Quantentechnologien. Die Quantum Computing Initiative der DLR betreibt Reinräume in Ulm und Hamburg. Ein ähnliches Muster zeigt sich im globalen Chip-Krieg um Halbleiter.

Leisse ist kein Physiker. Er studierte Ingenieurwesen und BWL an der WHU. Danach arbeitete er als Restrukturierer und sieben Jahre als CEO im Familienunternehmen. Über einen Professor für Entrepreneurship kam er zu den Physikern Christoph Wunderlich und Michael Johanning.

Quantenvorteil: Wann der Nutzen greifbar wird

IBM stellt den praktischen Quantenvorteil noch für dieses Jahr in Aussicht. Leisse gibt sich bewusst konservativer. Er rechnet mit einem klaren Nutzen in zwei bis vier Jahren.

Quantencomputer ersetzen dabei keine klassischen Rechner. Sie ergänzen CPU und GPU für bestimmte Aufgaben. Fachleute sprechen von hybriden Algorithmen. Ein kleiner Teil läuft auf dem Quantencomputer, der Rest klassisch.

Die ersten Anwendungen liegen in Simulation und Optimierung. Ein Beispiel ist die Ampelsteuerung in Großstädten. Auch das Schäumen von Polyurethan, Leisses früheres Feld, ist bisher kaum simulierbar. Alternative Rechenparadigmen wie das neuromorphic Computing verfolgen ein ähnliches Ziel.

Was Quantencomputer Deutschland jetzt braucht

Die Frage lautet nicht mehr, ob ein Quantencomputer Probleme löst. Es geht nur noch um das Wann. Deshalb rät Leisse Firmen, sich früh Quantum-ready zu machen.

Entscheidend sei die Kompetenzseite, nicht nur die Sicherheit. Unternehmen sollten prüfen, welche Probleme sie klassisch nicht lösen. Wer erst am Q-Day startet, gerät ins Hintertreffen.

Vor allem fehlen Fachkräfte. Bislang gibt es Quantenphysiker, aber kaum Quanteningenieure. Universitäten fragen deshalb kleine Standardmaschinen für die Lehre an. Bildung wird zur dritten Schlüsselkomponente neben Hardware und Anwendung.

Fazit: Souveränität aus Siegen

eleQtron zeigt, dass Quantencomputer Deutschland kein Randthema bleibt. Ionenfallen, Mikrowellen und die Schwarz-Finanzierung bilden ein tragfähiges Fundament. Leisse vergleicht die Technologie mit der Erfindung von Feuer oder Rad.

Für die Industrie zählt der frühe Einstieg. Wer heute Daten, Kompetenzen und Strukturen aufbaut, profitiert beim praktischen Quantenvorteil zuerst. Quantencomputer aus Deutschland könnten so zu europäischer Souveränität beitragen.

Häufige Fragen

Was ist eleQtron?

eleQtron ist der erste deutsche Quantencomputer-Hersteller mit Hauptsitz in Siegen. Das Unternehmen baut Rechner auf Basis von Ionenfallen und steuert einzelne Atome mit Mikrowellen. Gegründet wurde es aus einem Physik-Lehrstuhl heraus. Heute beschäftigt es mehr als 100 Mitarbeiter. CEO und Mitgründer ist Jan Henrik Leisse, der aus dem Maschinenbau und der Unternehmenssanierung stammt.

Warum steuert eleQtron mit Mikrowellen statt mit Lasern?

Die meisten Wettbewerber nutzen Laser zur Steuerung ihrer Ionen. eleQtron setzt auf Mikrowellen, denn die nötigen Bauteile stecken bereits in jedem Smartphone. Das senkt die Kosten und erleichtert den Bau größerer Systeme. Der Ansatz zahlt damit auf die Skalierbarkeit ein. Diese Skalierung gilt als entscheidend für den Weg von der Forschung in die industrielle Nutzung.

Wer investiert in eleQtron?

eleQtron sammelte 57 Millionen Euro in einer Series A ein. Angeführt hat die Runde die Schwarz Gruppe, der Konzern hinter Lidl und Kaufland. Frühere Geldgeber waren die Sparkasse Siegerland und der Wagniskapitalgeber Early Bird. Zusätzlich floss öffentliches Geld über staatliche Programme für Quantentechnologien. Nach Leisses Worten zählt dabei nicht nur Kapital, sondern auch Netzwerk und Kompetenz der Partner.

Wann kommt der praktische Quantenvorteil?

IBM stellt den praktischen Quantenvorteil noch für dieses Jahr in Aussicht. Jan Henrik Leisse bewertet das vorsichtiger und nennt zwei bis vier Jahre. Die ersten Anwendungen sieht er in Simulation und Optimierung. Er erwartet eher kleine, hybride Aufgaben als große Durchbrüche. Ein klassischer Algorithmus übernimmt den Großteil, ein kleiner Teil läuft auf dem Quantencomputer.

Wofür braucht die Industrie Quantencomputer aus Deutschland?

Quantencomputer lösen Probleme, die für klassische Rechner zu komplex sind. Beispiele sind die Ampelsteuerung in Großstädten oder Materialsimulationen. Firmen sollten prüfen, welche Aufgaben sie bislang nicht lösen können. Wichtig ist der Aufbau von Daten, Strukturen und Kompetenzen. Wer sich früh mit dem Thema befasst, sitzt beim späteren Durchbruch in der ersten Reihe.

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