blinq ist eine Software für Marken-Sichtbarkeit in KI-Antworten. Das Tool misst Erwähnungen in ChatGPT, Perplexity und Google. Es verknüpft die Treffer mit passenden Journalisten und Creatorn. Im YouTube-Interview erklärt Julian Gottke, warum KI-Sichtbarkeit die klassische Ergebnis-Liste ablöst. Die Basis liefert eine Auswertung von 250.000 KI-Antworten.
Zehn Jahre lang machte Gottke Marketing für Marken wie Canyon und WWT. Heute baut er selbst ein Tool für Generative Engine Optimization. Der Beitrag fasst seine Zahlen zusammen und ordnet ein, was sie für den deutschen Markt bedeuten. Fachleute sehen darin eine Zäsur.
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KI-Sichtbarkeit ersetzt das klassische Ranking
Fast sieben von zehn Google-Suchen enden heute ohne einen einzigen Klick. Der Entscheidungs-Moment wandert von der Ergebnis-Liste in einen einzigen Antworttext. Gottke beschreibt die Folge nüchtern. Nennt ein Modell die Marke, bleibt sie im Rennen. Fehlt der Name, ist die Marke ab diesem Moment raus.
Rankings taugen damit kaum noch als Messgröße. KI-Sichtbarkeit zeigt sich daran, ob ein Modell die Marke in seiner Antwort erwähnt. Betroffen sind vor allem Käufe mit langer Recherche. Supplements, Laufschuhe oder Klimaanlagen landen längst im Chat. Auch die Suche nach dem nächsten Arbeitgeber läuft dort.
Fachleute beschreiben diese Verschiebung als Vorstufe einer Intentionsökonomie, in der Modelle Absichten vermitteln. Die Redaktion stellt fest: Das Verhalten der Nutzer dreht sich schneller als die Budgets. Owned und Earned rücken dadurch enger zusammen.
250.000 KI-Antworten: welche Quellen die Modelle zitieren
blinq hat ein halbes Jahr lang ausgewertet, welche Quellen ChatGPT, Perplexity und Google tatsächlich zitieren. Der Datensatz umfasst 250.000 KI-Antworten. Am meisten überraschte Gottke das Tempo der Verschiebung. Im Februar spielte LinkedIn im Datensatz noch keine Rolle. Keine fünf Monate später zählt das Netzwerk zu den Topquellen.
Ebenso deutlich fällt der Unterschied zwischen den Modellen aus. Die AI Overviews von Google greifen bevorzugt auf YouTube zurück. Bei ChatGPT liegt Reddit vorn, dort wiegen Review-Kanäle schwerer. Eine einzige Kennzahl für die KI-Sichtbarkeit gibt es also nicht. Wer sauber arbeitet, trennt die Modelle in der Messung.
Zwei Drittel der zitierten Quellen sind Unternehmens-Seiten. Presse-Treffer liegen je Medium oft im einstelligen Prozent-Bereich. Diese Zahl täuscht laut Gottke über das Verhältnis hinweg. Zwölf bis zwanzig relevante Medien stehen Millionen von Firmen-Seiten gegenüber. Eine Erwähnung im Handelsblatt wiegt deshalb deutlich schwerer.
Externe Validierung schlägt das Eigenlob
Die eigene Seite liefert die Faktenbasis. Entscheidend ist, was danach passiert. Modelle gleichen die eigenen Angaben mit Presse, Reddit, Wikipedia und Reviews ab. Gottke erklärt das am Laufschuh. Ein Hersteller schreibt von der Carbonplatte und hohem Tempo.
Bestätigt niemand diese Aussage, bleibt sie für das Modell ungeprüft. Erst die gleiche Botschaft in fremden Quellen macht sie belastbar. Gartner erwartet deshalb eine Verdopplung der Budgets für PR und Earned Media. OMR-Gründer Philipp Westermeyer brachte es auf eine Formel: Menschen sind die neuen Backlinks.
Ein Beispiel aus dem eigenen Haus untermauert den Effekt. Die Studie brachte blinq rund sieben Clippings in der Presse. Vierzehn Tage später stieg die Marken-Sichtbarkeit über alle getrackten Prompts. Auch die Durchsetzung gegen andere Marken legte zu. Gottke bleibt vorsichtig und spricht von Korrelation, nicht von Kausalität.
Was Maschinen überzeugt: Fakten statt Adjektive
Ein Agent schaut sich keine Landingpage an und wird nicht emotional. Gottke rät deshalb zu weniger Adjektiven und mehr Fakten. Konsistente Angaben zu Preisen, Funktionen und Zielgruppen sind die Pflicht. Schwanken die Angaben über mehrere Quellen, sinkt das Vertrauen des Modells.
Maschinen lieben Struktur, Menschen ebenso. Blogartikel mit FAQ-Blöcken, Vergleichs-Tabellen und sauberem Markup lassen sich auslesen. Guter Content verdient danach eine zweite Runde. Fachartikel, Gastartikel und Presse-Arbeit tragen die gleichen Fakten in fremde Quellen.
Beim Einkauf von Sichtbarkeit warnt Gottke. Das Risiko ähnelt dem alten Linkkauf. Kurzfristig wirkt es, langfristig bricht die Sichtbarkeit über Nacht weg. Bemerken Leser eine gekaufte Bewertung, leidet die Marke dauerhaft. Der Mensch im Prozess bleibt der härteste Prüfer.
Erste Schritte ohne großes Marketing-Budget
Kleine Firmen starten laut Gottke bei den Fundamenten. Eigene Webseite und eigener Blog kommen zuerst an die Reihe. Klare Fakten schlagen Marketing-Sprache. Ein Satz aus einem Kunden-Feedback zeigt den Test: Wer den Markt nicht kennt, muss das Angebot trotzdem verstehen.
Danach folgen kostenlose Einträge in Review-Plattformen. blinq sieht dort OMR Reviews, G2 und Trustpilot weit vorn. Im Recruiting-Umfeld zählen kununu und StepStone. Ein Blick in diese Portale zeigt, welches Bild dort über eine Marke entsteht.
Der dritte Hebel sind Menschen. Eine Person mit Lust auf LinkedIn wirkt stärker als ein stiller Firmen-Account. Gastartikel, Podcasts und Interviews zahlen auf dieselbe Sichtbarkeit ein. Erst danach lohnt ein günstiges Tool für die Prompt-Messung. Die Reihenfolge entscheidet über den Ertrag.
Agentic Marketing: vom Schlagwort zum Alltag
Die Branche hat Metaverse und NFTs überstanden. Gottke sieht beim Thema Agenten einen anderen Fall. Der Unterschied liegt auf der Nachfrage-Seite. Das Verhalten der Nutzer hat sich in kurzer Zeit gedreht. Seine Mutter arbeitet nach eigener Aussage sicher mit ChatGPT.
Im eigenen Startup läuft bereits viel über Agenten. Die Ads-Auswertung passiert morgens im Dialog mit Claude Cowork. Die Buchhaltung läuft weitgehend über Agenten. Prototypen entstehen mit Claude Code in Stunden statt in Wochen. Ähnliche Muster beschreibt die Redaktion in der Analyse zur Agenten-Ökonomie.
Beim Thema Werbung bleibt Gottke gelassen. OpenAI baut ein Werbeteam in München auf und erwartet Milliarden an Werbe-Einnahmen. Bezahlte Plätze sind für ihn ein Layer obendrauf. Bezahlte Suche hat organische Arbeit nie ersetzt. Earned, Owned und Paid bleiben drei getrennte Aufgaben.
Fazit: KI-Sichtbarkeit wird zur Pflicht-Aufgabe
SEO ist nicht tot, alte SEO-Routinen schon. Das gilt für PR genauso. Gottke nennt KI einen Katalysator für längst fällige Umbrüche. Firmen und Agenturen ohne Anpassung bekommen ein Problem. Linkkauf und Keyword-Stuffing verlieren ihre Grundlage.
Der Blick nach vorn fällt kurz aus, weil das Tempo hoch bleibt. Webseiten werden nach Gottkes Erwartung zur Datenbasis statt zum Schaufenster. Vertrauens-Signale gewinnen an Gewicht. Echte Bewertungen, bekannte Gesichter und saubere Fakten bleiben die Währung. Die KI-Sichtbarkeit entscheidet damit über den Platz in den Antworten von morgen.
Häufige Fragen
Was bedeutet KI-Sichtbarkeit für Marken?
KI-Sichtbarkeit beschreibt, ob ein Modell wie ChatGPT, Perplexity oder Google eine Marke in seiner Antwort nennt. Fast sieben von zehn Google-Suchen enden ohne Klick. Der Entscheidungs-Moment verschiebt sich damit von der Ergebnis-Liste in einen einzigen Antworttext. Julian Gottke beschreibt die Folge klar: Ohne Erwähnung fällt eine Marke aus dem Entscheidungs-Prozess. Messbar wird das über feste Prompts, die Anbieter regelmäßig auswerten.
Welche Quellen zitieren ChatGPT und Google am häufigsten?
Die blinq-Auswertung über 250.000 KI-Antworten zeigt zwei Muster. Zwei Drittel der Zitate stammen von Unternehmens-Seiten. Presse-Treffer liegen je Medium oft im einstelligen Prozent-Bereich, wiegen wegen der geringen Zahl an Medien aber schwer. Zwischen den Modellen gibt es klare Unterschiede. Die AI Overviews von Google greifen bevorzugt auf YouTube zurück, ChatGPT nutzt häufig Reddit. LinkedIn stieg binnen fünf Monaten zu einer Topquelle auf.
Wie starten kleine Unternehmen ohne Marketing-Budget?
Zuerst kommen die Fundamente. Eigene Webseite und eigener Blog liefern klare, konsistente Fakten zu Preisen, Funktionen und Zielgruppen. Danach folgen kostenlose Einträge in Review-Plattformen wie OMR Reviews, G2, Trustpilot, kununu und StepStone. Als dritter Schritt macht eine echte Person auf LinkedIn die Firma sichtbar. Dazu kommen Gastartikel, Podcasts und Interviews. Erst danach lohnt ein günstiges Tool für die Prompt-Messung.
Lohnt es sich, Sichtbarkeit auf Reddit einzukaufen?
Gottke vergleicht das Risiko mit dem alten Linkkauf. Kurzfristig kann eine gekaufte Erwähnung wirken. Erkennt eine Plattform das Muster, bricht die Sichtbarkeit über Nacht weg. Dazu kommt der Schaden an der Marke, sobald Leser die Methode bemerken. Sinnvoller ist die Frage, ob Reddit für das jeweilige Thema überhaupt eine Rolle spielt. Diese Antwort liefert eine Daten-Grundlage, keine fremde Studie.









