Pony.ai Robotaxi: Der Haken hinter den Gewinnen pro Auto

Pony.ai Robotaxi im Test: pro Auto profitabel, als Konzern 45 Mio. Dollar Verlust. Technik, Preise und der Europastart in Zagreb kompakt im Überblick.

Pony.ai Robotaxi: Der Haken hinter den Gewinnen pro Auto

Pony.ai ist ein Anbieter für autonomes Fahren aus dem Silicon Valley, der in China fahrerlose Robotaxis betreibt. Das Pony.ai Robotaxi fährt in Shenzhen ohne Sicherheitsfahrer durch dichten Stadtverkehr. Ein YouTube-Praxistest vor Ort zeigt, wie sicher und wie günstig das System ist. Die Zahlen offenbaren zugleich einen Widerspruch zwischen Fahrzeug und Konzern.

Rund 1.700 Fahrzeuge von Pony.ai sind aktuell in Shenzhen unterwegs. Der Test vergleicht Pony mit Waymo und Tesla. Er beleuchtet auch den Europastart in Zagreb.

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Pony.ai Robotaxi buchen: So läuft die Fahrt ab

Die Buchung läuft komplett über WeChat, die Super-App Chinas. Fahrgäste geben ihr Ziel ein und bezahlen direkt. Wenige Minuten später rollt das Fahrzeug an. Die Tür öffnet sich von allein, anders als bei Waymo ist kein Bluetooth-Entsperren nötig.

Im Innenraum folgen kurze Sicherheitshinweise: Türen schließen, anschnallen. Ein blauer Button startet die Fahrt. Ein KI-Begleiter ist mit an Bord. Auffällig ist eine Scheibe aus Plexiglas zwischen Rückbank und Lenkrad. Das soll verhindern, dass Fahrgäste ins Steuer greifen.

Am Ziel wählen Fahrgäste den Haltepunkt selbst per Display. Eine 3D-Ansicht zeigt während der Fahrt alle erkannten Roller, Autos und Fußgänger.

Lidar statt nur Kameras: Die Technik hinter Pony.ai

Pony.ai setzt auf denselben Ansatz wie Waymo. Jedes Fahrzeug trägt neun Lidar-Sensoren und 14 Kameras. Tesla fährt seine Robotaxis dagegen rein kamerabasiert. Das Gründerteam stammt aus dem Silicon Valley und war teils an Google X beteiligt.

Der Sensor-Ansatz hat einen Preis. Pony.ai fährt nur in vorab kartierten Gebieten, genau wie Waymo. Manche Ziele lassen sich nicht ansteuern. Der Vision-Ansatz verspricht günstigere Autos, die überall fahren können. Diese These vertritt auch Prof. Dr. Ernst Dickmanns, der deutsche Pionier des autonomen Fahrens.

Gebaut werden die Robotaxis längst nicht mehr in Eigenregie. Pony kooperiert mit Herstellern wie BYD und Toyota. Toyota fertigt seit Februar ein eigenes Pony-Robotaxi auf Basis des bZ4X in Serie.

Stresstest im chinesischen Stadtverkehr

Die Fahrt durch Shenzhen zeigt die Grenzen des Systems. Rollerfahrer schlängeln sich dicht am Auto vorbei. Das Pony.ai Robotaxi reagiert mit harten Bremsungen. In einer Situation bleibt es mitten auf der Straße stehen.

Stehenbleiben ist allerdings keine Lösung. Das zeigte Ende März ein Vorfall bei Baidu in Wuhan. Nach einer Netzwerk- und Cloudstörung stoppten rund 100 Robotaxis gleichzeitig auf der Fahrbahn. Es kam zu Auffahrunfällen, der Betrieb wurde ausgesetzt. Auch Pony stand im Juni in der Kritik. Ein Fahrzeug überfuhr eine durchgezogene Linie, der Hintermann musste hart bremsen.

Verkehrsexperten raten seitdem zu mehr Abstand, weil Robotaxis anders bremsen als Menschen. In Shenzhen regelt seit dem 1. Juli eine Verordnung die Haftung. Ab Juli 2027 gilt in China ein landesweiter Standard. Wie die Debatte zur KI-Regulierung zeigt, ringen viele Staaten um solche Regeln.

Wirtschaftlichkeit: Pro Auto profitabel, als Konzern im Minus

Hier liegt der Haken der Erfolgsgeschichte. Ein Pony-Fahrzeug in Shenzhen schafft im Schnitt 23 Fahrten pro Tag. Es erlöst dabei 338 Yuan netto, also rund 40 Euro. Nach Guangzhou im Februar erreicht damit die zweite Stadt die Gewinnschwelle pro Auto.

Der Konzern schreibt dennoch rote Zahlen. Im zweiten Quartal setzte Pony 36 Millionen Dollar um. Nur rund ein Drittel davon stammt aus dem Robotaxi-Geschäft. Unter dem Strich stehen 45 Millionen Dollar Verlust. Sina Finance wirft Pony vor, Buchgewinne schönten das Ergebnis. Die Aktie brach Anfang 2026 deutlich ein.

Finanziell bleibt Pony handlungsfähig. Rund 1,1 Milliarden Euro liegen auf dem Konto. Verträge über mehr als 4.000 weitere Robotaxis im Ausland sind unterschrieben. Neben der Nasdaq ist Pony seit November 2025 auch in Hongkong gelistet.

Preiskampf: 60 Cent für eine Fahrt durch Shenzhen

Der größte Pluspunkt ist der Preis. Die Testfahrt dauerte 10 bis 15 Minuten und kostete rund 60 Cent. Das ist deutlich günstiger als Didi, der Uber-Ersatz in China. Gegenüber Waymo in San Francisco ist der Abstand noch größer.

Der Wettbewerb verschärft sich weiter. Didi schickt seit dem 31. August fahrerlose Robotaxis in Peking in den Testbetrieb. Baidu kommt mit Apollo Go auf über 300.000 Fahrten pro Woche. In den USA verlangt Waymo im Schnitt 1,40 Dollar pro Meile. Tesla liegt in Austin bei 81 Cent.

Im Gesamturteil des Tests erhält Waymo eine 8 von 10, Pony.ai eine 7. Der Abzug liegt am chaotischen Verkehr, weniger an der Technik. Deutschland bekommt eine 0, weil es noch keinen Dienst zum Testen gibt.

Robotaxis in Europa: Das Betreibergeschäft entsteht neu

Seit dem 10. September fahren in Zagreb Robotaxis mit Pony-Technik fahrerlos mit Fahrgästen. Betreiber ist Verne aus der Rimac-Gruppe. Die ersten fahrerlosen Robotaxi-Fahrten Europas laufen damit auf einem chinesischen System. Zagreb ist die erste von fünf europäischen Städten, die Pony mit Uber erschließen will.

In Luxemburg testet Pony seit Juni mit Stellantis und dem Fahrdienst Bolt. Auf der IAA Transportation stellte Pony einen autonomen Lkw vor. Er soll in den nächsten zwei Jahren nach Europa kommen. Waymo testet in London mit rund 100 Fahrten. In Deutschland erlaubte das Kraftfahrt-Bundesamt im Juli dem Anbieter Momenta Level-4-Tests mit Uber.

Beobachter sehen den spannendsten Markt beim Betrieb. Waymo fährt in London über den Flottenbetreiber Moove, in Zagreb betreibt Verne die Autos. Jemand muss die Fahrzeuge laden, reinigen, warten, versichern und unterbringen. Dieses Betreibergeschäft entsteht in Europa komplett neu. Ein ähnliches Tempo zeigt sich im Shenzhen Robot Valley.

Fazit: Pony.ai Robotaxi zeigt Europas Rückstand

Das Pony.ai Robotaxi fährt in Shenzhen fahrerlos, günstig und pro Fahrzeug profitabel. Als Konzern bleibt Pony jedoch tief im Minus. Die Grundlagen des autonomen Fahrens entstanden einst in Deutschland bei Prof. Dr. Ernst Dickmanns. Die Flotten rollen heute trotzdem in China, den USA und Kroatien. Das Hindernis ist weniger technisch als politisch und bürokratisch.

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Pony.ai Robotaxi in Shenzhen?

Die Buchung erfolgt über die Super-App WeChat. Fahrgäste geben dort das Ziel ein und bezahlen direkt. Das Fahrzeug erscheint ohne Fahrer, die Tür öffnet sich automatisch. Nach Sicherheitshinweisen und dem Anschnallen startet ein blauer Button die Fahrt. Eine Glasscheibe trennt den Fahrgastraum vom Lenkrad. Eine 3D-Ansicht zeigt, welche Verkehrsteilnehmer das System erkennt. Den Haltepunkt wählen Fahrgäste per Display selbst.

Was kostet eine Fahrt mit dem Pony.ai Robotaxi?

Die dokumentierte Testfahrt dauerte etwa 10 bis 15 Minuten quer durch Shenzhen. Der Preis lag bei rund 60 Cent. Damit liegt Pony.ai deutlich unter dem Fahrdienst Didi und weit unter Waymo in den USA. Waymo verlangt im Schnitt 1,40 Dollar pro Meile, Tesla in Austin rund 81 Cent. Der Preiskampf dürfte sich mit neuen Anbietern weiter verschärfen.

Ist Pony.ai profitabel?

Nur auf Fahrzeugebene. Ein Robotaxi in Shenzhen schafft im Schnitt 23 Fahrten pro Tag. Es erlöst 338 Yuan netto, rund 40 Euro. Nach Guangzhou erreicht damit die zweite Stadt die Gewinnschwelle pro Auto. Der Konzern schreibt dennoch Verluste, im zweiten Quartal 45 Millionen Dollar. Chinesische Finanzmedien wie Sina Finance kritisieren zudem, dass Buchgewinne das Ergebnis schönen.

Wann kommen Pony.ai Robotaxis nach Europa?

Der Start ist bereits erfolgt. Seit dem 10. September fahren in Zagreb Robotaxis mit Pony-Technik komplett fahrerlos. Betreiber ist Verne aus der Rimac-Gruppe. Zagreb ist die erste von fünf geplanten europäischen Städten, die Pony.ai gemeinsam mit Uber erschließen will. In Luxemburg laufen seit Juni zusätzlich Tests mit Stellantis und dem Fahrdienst Bolt.

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