Vom Baker-McKenzie-Anwalt zum Klimarisiko-Gründer
refinq ist eine Klimarisiko-Plattform aus Wien, die Natur- und Klimarisiken in finanzielle Kennzahlen übersetzt. Im YouTube-Interview erklärt Mitgründer Lukas Fischer, wie ein digitaler Zwilling der Natur Fabriken vor Fluten und Wasserstress schützt. Fischer studierte Jura und arbeitete als Anwalt bei Baker McKenzie.
In der Großkanzlei las er Risiken aus juristischer Sicht. 2021 rückte für ihn die EU-Regulierung rund um ESG in den Fokus. Dort zeigte sich ein konkreter Bedarf an Software. 2023 gründete er refinq mit Franziska Walde und Markus Berger.
Im Februar 2026 schloss das Team eine Seed-Runde über 2,2 Millionen Euro ab. Lead-Investor ist der aws Gründungsfonds, Co-Lead die Symbia VC. Aus vier Personen in einer kleinen Wohnung wurde ein Team von 14 Mitarbeitern.
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Nature Digital Twin: Standorte als digitaler Zwilling
Das Kernprodukt heißt Nature Intelligence Hub. Es bildet jeden Standort weltweit als digitalen Zwilling der Natur nach. Über die Plattform lässt sich ein Ort anklicken und in mehreren Datenschichten betrachten.
Die erste Schicht projiziert Klimarisiken in die Zukunft. Sie zeigt Überschwemmung, Hitze und Dürre bis 2050. Die zweite Schicht misst den Naturzustand am Standort. Dazu zählen Bodenqualität, Wasserverfügbarkeit und Biodiversitätsindizes.
Die dritte Schicht bringt die eigenen Daten der Kunden ein. refinq liest alle Schichten gegeneinander. Ein Boden in schlechtem Zustand nimmt weniger Wasser auf. Dadurch trifft ein Starkregen einen Standort deutlich härter. Ähnliche datengetriebene Ansätze zeigt die Redaktion auch bei KI im Maschinenbau.
Klimarisiken in Euro: Wasserstress und Lieferketten
Der eigentliche Mehrwert entsteht bei der finanziellen Übersetzung. refinq verknüpft Umsatz, Gebäudewert und Versicherungsdaten je Standort. So entsteht ein konkretes Risikobild in Euro. Das versetzt Nachhaltigkeits-Manager in die Lage, den CFO mit belastbaren Zahlen zu überzeugen.
Ein Beispiel ist die Metallindustrie. Manche Werke verbrauchen dreistellige Millionen Liter Wasser pro Jahr. Steigt der Wasserstress, sinkt die Produktion. refinq zeigt, um wie viel Prozent das Wasserangebot über 10 bis 20 Jahre schrumpft.
Noch kritischer wird die Lieferkette. Ein gefluteter Zulieferer stoppt eine ganze Produktion. 2024 traf genau das einen Porsche-Zulieferer. Der Konzern musste sein Gewinnergebnis fast in Milliardenhöhe senken. Beobachter sehen darin ein Musterbeispiel für unterschätzte Naturrisiken.
Protection Gap: 75 Prozent der Klimaschäden unversichert
refinq bringt seit Kurzem ein neues Modul auf den Markt. Es heißt Protection Gap Intelligence. Der Hintergrund ist eine große Versicherungslücke. Rund 70 bis 75 Prozent der Schäden durch Extremwetter sind in Europa nicht versichert.
Vielen Unternehmen ist diese Lücke nicht bewusst. Selbst Konzerne mit Milliardenumsatz nutzen oft eine pauschale Versicherungspolice. refinq liefert granulare Daten je Standort. Damit lassen sich künftig passendere Policen abschließen.
CSRD, TNFD und der Omnibus-Effekt
Europäische Unternehmen stehen unter regulatorischem Druck. Frameworks wie CSRD und TNFD verlangen offengelegte Umweltrisiken. Der EU-Omnibus hat diese Vorgaben zuletzt abgeschwächt. Das erzeugt bei vielen Firmen eine abwartende Haltung. Die Hintergründe dazu ordnet die Redaktion im Beitrag zum KI-Omnibus ein.
Fischer sieht die Regulierung nur als Symptom. Der wahre Hebel liegt im Verständnis der eigenen Abhängigkeit von der Natur. Rund 70 bis 75 Prozent der weltweiten Wertschöpfung hängen an Naturleistungen wie Wasser. Wer diese Abhängigkeit ignoriert, riskiert massive wirtschaftliche Folgen.
Ausblick: TSO Alliance und Series A
refinq zählt bereits Thyssenkrupp, die Wiener Stadtwerke und Amprion zu den Kunden. Zuletzt gewann das Startup eine Ausschreibung der TSO Alliance. Dabei sichert refinq den europäischen Strom-Grid gegen Klima- und Naturrisiken. Die KI-Schicht liefert für tausende Standorte konkrete Anpassungsmaßnahmen samt Kostenschätzung.
Für 2026 plant das Team starkes Wachstum in Industrie, Energie und Finanz. Die Series A soll 2027 folgen. So werden Klimarisiken für Branchenkenner zur festen Größe im Risikomanagement.
Häufige Fragen
Was macht das Wiener Startup refinq?
refinq ist eine Klimarisiko-Plattform aus Wien. Sie übersetzt Natur- und Klimarisiken in finanzielle Kennzahlen. Unternehmen sehen je Standort, wie Fluten, Wasserstress oder Dürre den Betrieb bedrohen. Die Plattform verbindet Klimaprojektionen, Naturdaten und eigene Firmendaten. So entsteht ein Risikobild in Euro. Genutzt wird das für Standorte, Lieferketten und die Berichtspflichten nach CSRD und TNFD.
Was ist ein Nature Digital Twin?
Ein Nature Digital Twin ist ein digitaler Zwilling der Natur an einem Standort. refinq bildet jeden Ort weltweit über mehrere Datenschichten ab. Die erste Schicht zeigt Klimarisiken bis 2050. Die zweite misst Boden, Wasser und Biodiversität. Die dritte bringt die Daten des Unternehmens ein. Alle Schichten werden gegengelesen. So erkennt das Tool versteckte Wechselwirkungen zwischen Natur und Klima.
Was bedeutet der Protection Gap bei Klimarisiken?
Der Protection Gap beschreibt die Versicherungslücke bei Klimaschäden. Rund 70 bis 75 Prozent der Schäden durch Extremwetter sind in Europa nicht versichert. Viele Unternehmen kennen ihre eigene Lücke nicht. Selbst Konzerne mit Milliardenumsatz nutzen oft pauschale Policen. refinq liefert mit dem Modul Protection Gap Intelligence granulare Daten je Standort. Damit lassen sich passendere Versicherungen abschließen.
Wie helfen Klimarisiko-Daten bei CSRD und TNFD?
CSRD und TNFD verlangen offengelegte Umwelt- und Naturrisiken. refinq liefert die Grundlagendaten für belastbare Berichte. Der Wert reicht jedoch über das Reporting hinaus. Die Plattform zeigt das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Anpassungsmaßnahmen. Sie macht sichtbar, von welchen Naturleistungen ein Betrieb abhängt. Rund 70 bis 75 Prozent der weltweiten Wertschöpfung hängen an Naturleistungen wie Wasser.
Welche Kunden nutzen refinq?
Zu den Kunden zählen Thyssenkrupp, die Wiener Stadtwerke und Amprion. Zuletzt gewann refinq eine Ausschreibung der TSO Alliance. In diesem Pilotprojekt sichert das Startup den europäischen Strom-Grid gegen Klimarisiken. Dafür prüft die Plattform tausende Netzkomponenten über hunderte Kilometer. Die KI-Schicht schlägt konkrete Anpassungsmaßnahmen samt Kostenschätzung vor.









